Miteinander reden!

Symptome einer unzureichenden Kommunikation:

Wie beurteilen Sie Ihren Partner, Ihre Partnerin?

Treffen die folgenden Aussagen auf Ihre Partnerschaft / Ehe zu?

  • Wenn ich ihn/sie abends nach dem Arbeitstag frage, bekomme ich nie eine richtige Antwort
  • (nur Frauen) Er hilft mir überhaupt nicht im Haushalt, er muß doch sehen, daß mir alles zuviel wird. Ich kann doch nicht um jede Kleinigkeit einzeln bitten.
  • Er / sie ist immer schnell beleidigt.
  • Man kann mit ihm / ihr nicht reden
  • Er / sie versteht mich nicht
  • Er / sie interessiert sich nicht für meine persönlichen Belange
  • Ich verstehe ihre / seine Reaktionen oft überhaupt nicht
  • Er / sie hört mir einfach nicht richtig zu
  • Ich weiß nie, was er / sie wirklich denkt oder fühlt
  • (nur Männer) Sie sagt nie, was sie will, ich kann doch nicht hellsehen
  • Er / sie merkt gar nicht, daß es mich kränkt, wenn er / sie......

Wenn die Mehrzahl dieser Aussagen bejahen müssen, sollten Sie baldmöglichst fundierte fachliche Hilfe in Anspruch nehmen! Hier fehlt es schon an den Voraussetzungen für ein Gespräch, und auf Dauer ist jede “sprachlose” Partnerschaft zum Scheitern verurteilt. Andererseits ist Kommunikation aber keine Frage der Quantität - wir kennen Ehepaare, die täglich stundenlang reden, ohne auch nur ansatzweise zu wissen, welche Gedanken, Hoffnungen oder Gefühle den Partner umtreiben.

Wieviel wissen Sie von Ihrem Partner / Ihrer Partnerin aus der Zeit vor dem Beginn Ihrer Beziehung?

Sehr viele Menschen machen irgendwann in ihrem Leben eine Erfahrung, an die sie nie mehr rühren und die sie um keinen Preis weitererzählen wollen. Zu diesem Themenkreis gehören mit Sicherheit viele gescheiterte Vorehen, die über lange Zeit hinweg als Gesprächsthemen denkbar ungeeignet sind. Wesentlich unverfänglicher sind dagegen Kindheit und Schulzeit.

“Die Jugend eines Menschen kennenzulernen heißt, ihn als Erwachsenen besser zu verstehen!”

Fragen Sie sich also: Was wissen Sie von Ihrem Partner / Ihrer Partnerin aus den ersten 15 bis 20 Lebensjahren?  (Die Fragestellung gilt jeweils für sie und ihn!)

  • Wie hat er seine Kindheit verbracht?
  • Welches Verhältnis hatte er zu seinen Eltern?
  • Wer waren seine Freunde?
  • Kennen Sie Ereignisse aus seiner Kindheit?
  • Kennen Sie seine Verwandten?
  • Welche Rolle haben seine Verwandten in seinem Leben gespielt?
  • Wie hat Ihr Partner seine Schulzeit erlebt?
  • Kennen Sie Erlebnisse aus dieser Zeit?
  • Kennen Sie seine Schulnoten / Zeugnisse?
  • Kennen Sie die Bilder aus seinen Baby- und Kindertagen?
  • Was hat er als besonders schön / schrecklich in Erinnerung behalten?

(Das ist nur eine kleine, beispielhafte Auswahl an möglichen Fragen)

Wenn die Beiden gegenseitig kaum etwas voneinander wissen, oder wenn sich einer der beiden völlig verschließt, kann das auf Dauer dem Miteinander nur abträglich sein. Mangelnde Offenheit oder fehlendes Vertrauen zerstören letztendlich jede Partnerschaft.

Von unserer Arbeit mit Kindern mit Schulproblemen wissen wir, welche überragende Rolle der familiäre Rückhalt für Kinder hat, gerade in kritischen Situation - und da gehören Schulprobleme in der Regel mit dazu! Familiärer Rückhalt ist mehr als Essen auf dem Tisch und Dach über dem Kopf, das ist die Geborgenheit in der Familie, das Vertrauen untereinander, das Bewußtsein, als Kind geliebt zu werden. “Ich hab’ dich lieb!” Wann haben Sie diese Worte das letzte Mal zu Ihrem Kind gesagt? Wir haben Mütter erlebt, die meinten, das müsse man nicht sagen, das wisse das Kind auch so....

Wer es mit seinen Kindern ebenfalls so hält wie diese Mütter, der möge sich fragen: Was hätten Sie selbst in Ihrer Kinheit oder Jugend darum gegeben, diesen Satz ein einziges Mal von Ihrer Mutter zu hören....!?

Für uns Menschen ist die Sprache das wichtigste Kommunikationsmittel, wer es in solchen Fällen nicht verwendet, zeigt, daß er schon zu den “Sprachlosen” zu rechnen ist!

Wie oft ist von Eltern der Satz zu hören: Meine Kinder erzählen mir gar nichts mehr!” Sie wissen weder, was sich in der Schule ereignet, noch kennen sie irgendwelche Details aus dem Freundeskreis. - Eltern sind prinzipiell das Vorbild für ihre Kinder, die das Vorgelebte automatisch verinnerlichen und kopieren; wer in der Partnerschaft und dem Kind gegenüber “sprachlos” ist, darf sich nicht wundern, wenn diese Sprachlosigkeit als Bumerang auf ihn zurückfällt.

Deshalb: Wenn Sie hier noch etwas ändern möchten, dann fangen Sie an! Wer bei erforderlichen Verändererungen auf den Anderen hofft, hat schon verloren! Nehmen Sie das Heft des Handelns in die Hand: Beginnen Sie bei Ihren Kindern. Erzählen Sie aus der eigenen Kindheit, berichten Sie von Ihren kleinen und großen Freuden und Ängsten, erzählen Sie aus der Schulzeit, schildern Sie das, was Ihnen in Ihrem eigenen Elternhaus gefallen oder was Sie gestört hat. Erzählen Sie altersentsprechend, und lassen Sie auch Ihre kleinen Fehler nicht aus, Ihre Kinder werden Sie dafür umso mehr lieben.

Wenn Sie Ihre Familie (bisher) als “sprachlos” eingestuft haben, wird es einige Zeit dauern, bis Sie eine positive Resonanz erfahren - lassen Sie den Beteiligten Zeit. Vor allem erzählen Sie nur dann, wenn sich die passende Gelegenheit bietet:, beim Einschlafzeremoniell oder beim Sonntagsfrühstück, bei einer langen Autofahrt oder auch nur, um die Kinder abzulenken oder über Enttäuschungen hinwegzutrösten. Beziehen Sie Partner oder Partnerin mit ein: Wie war das bei dir?

Erwarten Sie keine Wunder! Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund treffend. Und noch ein Sprichwort: Steter Tropfen höhlt den Stein! Sie haben es in der Hand, aus Ihrer sprachlosen Familie eine funktionierende, kommunikaktionsfreudige Gemeinschaft zu machen! Wenn Sie sich das nicht zutrauen, dann suchen Sie sich Hilfe - so wie jetzt auch, im Internet!  Dort finden Sie anonyme Unterstützung, vielleicht, um sich selbst zunächst einmal überhaupt klar zu werden, wie Sie weiter vorgehen sollten!